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Die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche

Schon die Warnung Jesu von den „Wölfen im Schafspelz“ (Mt 7,15ff), die Rede des Apostels Johannes von Antichristen, „die aus unserer Mitte kamen, aber nicht zu uns gehörten“ (1 Joh 2,19), und die Erlebnisse des Völkerapostels mit „falschen Brüdern“ (Gal 2,4) sprechen von der Infiltration der Kirche durch die feindliche Macht. Es wird – aufgrund einer unergründlichen göttlichen Zulassung – bis zum Ende der Zeit „Unkraut im Weizen“ geben (Mt 13,24ff). Heute sehen wir das Unkraut dermaßen üppig sprießen, daß man sagen muß: In der kirchlichen Führung hat es längst den Weizen überwuchert. Es ist eine apokalyptische Situation.

Die Päpste des 19. Jahrhunderts waren sich der satanisch inspirierten Angriffe auf die Kirche bewußt. Zu den militärischen Angriffen von außen kam etwa im letzten Drittel des Jahrhunderts die planvolle Unterwanderung von innen dazu. Leo XIII. wußte aufgrund einer Vision darum. St. Pius X. konnte die Subversion behindern und verzögern, aber nicht beenden. Im Hinblick auf die Wirkungsgeschichte des II. Vaticanums können wir sagen, daß die Subversion in den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. ans offene Tageslicht gekommen ist. Nach abermaliger, aber nur halbherziger Verzögerung durch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ist die Subversion in der Person Jorge Bergoglios auf apokalyptische Weise an ein Zwischenziel gelangt: ein Papst als Zerstörer des Glaubens und Steigbügelhalter antichristlicher Mächte.

Eine Untersuchung dieser Subversion seit der Zeit Leos XIII. wird in vorliegendem Buch geboten.

Der Autor und sein Buch

Taylor Marshall, PhD, geborener Texaner, ist thomistischer Theologe und Philosoph und Autor mehrerer Bücher. Er gründete das New St. Thomas Institute. Er war „Priester“ der anglikanischen Episkopalkirche in den USA (anglikanische Weihen sind gemäß der Bulle Apostolicae curae von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1896 ungültig). Er konvertierte mit seiner Familie im Mai 2006. Mittlerweile hat das Ehepaar acht Kinder.

Marshall gehört zu einer Pfarre der Priesterbruderschaft St. Petrus. Denn nach seiner Konversion hatte er die katholische Tradition entdeckt.

In hochinteressanten, weithin gesehenen Podcasts geht er, mit prominenten und hochgebildeten Gästen oder alleine, auf theologische Fragen und aktuelle Ereignisse ein. Neuerdings veröffentlichte er Interviews mit einem Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X., was zu einem (völlig sinnlosen) Zerwürfnis im Freundeskreis führte.

Im vergangenen Jahr brachte er gegenständliches Buch auf den Markt.

In ihm zeigt er die Unterwanderung der kirchlichen Strukturen durch die feindliche Macht auf. Es geht um den Plan der Alta Vendita, die Botschaft von La Salette (ein sehr schwierig zu durchschauendes Thema), den Angriff auf den Kirchenstaat 1870, die Vision Leos XIII., die Rolle der Geheimgesellschaften, die Botschaft von Fatima, die Konklaven ab 1903, die kommunistische Infiltration, das Zweite Vaticanum und die Nouvelle Théologie, den rätselhaften Tod Johannes Pauls I., die Aktivitäten gegen Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die Vatikanbank, die St.-Gallen-Mafia und das gegenwärtige Pontifikat. Am Ende werden Wege aus der Krise und die geistlichen Waffen des Christen aufgezeigt.

Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist gut und wichtig. Es erreicht sein Ziel, die fraglos vorangetriebene Infiltration der Kirche auf dem Weg der Indizien aufzuzeigen. Das gegenwärtige Schreckenspontifikat ist für jedermann erkennbar ein Resultat dieser langen Wühlarbeit.

Allerdings ist das Buch an manchen Stellen schlampig gearbeitet und inhaltlich oberflächlich.

Damit zum Thema:

Infiltration: ein unbestreitbarer roter Faden

Weihbischof Athanasius Schneider spricht in seinem Vorwort das Offenkundige aus: „Aufgrund fehlenden Quellenmaterials und des Umstands, dass die relevanten vatikanischen Archive der Forschung immer noch verschlossen sind, müssen mancherlei Aufstellungen dieses Buches (wie etwa die Begleitumstände des Todes Papst Johannes Pauls I.) Hypothesen bleiben. Anderes jedoch lässt das, was angeführt wird, einen ganz bestimmten »roten Faden« innerhalb der letzten eineinhalb Jahrhunderte der Kirchengeschichte erkennen“ (15).

Der Ausgangspunkt: die „Ständige Anweisung“ der Alta Vendita

Marshall berichtet über die „Ständige Anweisung der Alta Vendita“ (25), die bereits vor 1859 der kirchlichen Autorität bekannt geworden war. Alta Vendita, „vornehmes Geschäft“, ist die Hauptloge des italienischen Geheimbundes der Carbonari („Köhler“). Bei der „Ständigen Anweisung“ handelt es sich um Zielvorstellungen der Umwandlung der Katholischen Kirche in eine liberale, weltliche Organisation im Dienst einer weltumspannenden Macht.

Von besonderer Bedeutung ist die in der Anweisung formulierte Zielvorstellung über die Gewinnung eines willfährigen Papstes:

„Der Papst, wer immer es auch sei, wird nie zu den Geheimgesellschaften kommen. Es ist Sache der Geheimgesellschaften, den ersten Schritt auf die Kirche hin zu tun, mit der Absicht, beide in Fesseln zu schlagen. Die Arbeit, an die wir uns machen wollen, ist nicht das Werk eines Tages, noch eines Monats, noch eines Jahres. Sie kann mehrere Jahre dauern, vielleicht ein Jahrhundert; aber in unseren Reihen fällt der Soldat und der Kampf geht weiter“ (31).

Der Autor dieses Manifestes mit dem Decknamen „Kleiner Tiger“ fährt fort:

„Um also einen Papst nach unserem Herzen zu machen, müssen wir diesem Papst eine Generation heranbilden, die der Herrschaft, die wir erträumen, würdig ist. Lasst das Alter und die reifen Jahre beiseite, haltet euch an die Jugend und, wenn es möglich ist, sogar an das Kindesalter“ (ebd.).

Zu diesem Zweck sollen die Seminare, Hochschulen und Ordenshäuser unterwandert werden.

Wie wir sehen, ist das weitgehend gelungen.

Die himmlische Warnung: die Vision Leos XIII. – und die Indizien der Infiltration

Papst Leo XIII. wurde am 13. Oktober 1884 eine Vision zuteil, in der der sah, wie der Teufel Jesus herausfordert (51ff). Er könne die Kirche zerstören, aber er brauche mehr Zeit und mehr Macht über die, die ihm dienen. Dieses wird ihm zugestanden. Marshall verweist auf das Buch Hiob, in dem eine solche Herausforderung durch den Satan bereits dargestellt wird (Hiob 1,6ff). Papst Leo sah auch, wie Dämonen sich über Rom versammeln (36).

Es scheint jedenfalls so zu sein, daß ab diesem Zeitpunkt die Infiltration der Kirche mit satanischer Raffinesse angegangen worden war. Marshall behandelt Vorgänge, die man als Indizien für diese Infiltration betrachten kann. Hier eine Auswahl:

Er thematisiert den militärischen Angriff der carbonari auf den Kirchenstaat im Jahr 1870 (46).

Danach geht es um die Botschaft von Fatima (74), wobei das konspirative Lügengespinst um sie herum (die entgegen offiziösen Aussagen nie ordnungsgemäß durchgeführte Weihe Rußlands, die Unterdrückung des dritten Geheimnisses im Jahr 1960 und das 2000 unvollständig veröffentlichte dritte Geheimnis (132)) erfreulich ausführlich thematisiert wird.

Im Zusammenhang mit der Subversion der Kirche durch Stalin zitiert Marshall Bella Dodd (104) und Manning Johnson (107) als ehemalige kommunistische Agenten, die eine planvolle Unterwanderung der Priesterseminare gestanden. Marshall stellt weiters die Infiltration der Kirche durch Theologen dar, die im frühen 20. Jahrhundert häretische Lehren einführen („Modernismus“). Diese werden vom hl. Pius X. und später in Humani generis von Pius XII. (1950) verurteilt, aber am Zweiten Vaticanum positiv rezipiert und sind heute in der kirchlichen Bürokratie allgegenwärtig. Das wahre kirchliche Leben haben sie erfolgreich abgewürgt.

Wichtig ist Marshalls Hinweis auf die konspirative Kontaktaufnahme Giovanni Battista Montinis hinter dem Rücken von Pius XII. mit der Sowjetunion und dessen gute Beziehung als Papst Paul VI. zu dem einflußreichen jüdisch-amerikanischen Marxisten Saul Alinsky (133) und dem Finanzberater Michele Sindona, genannt der Hai (nach Marshall ein „Scheusal“, 190). Auf diesem Hintergrund ist die Heiligsprechung des Montini-Papstes unverständlich.

Und schließlich sind die Vorgänge um die Vatikanbank und die geleakten Vatikan-Dokumente (240) sowie das Bekanntwerden der konspirativ agierenden St.-Gallen-Mafia (220), die die Wahl des Verwirrerpapstes Franziskus erreichte, und die Aufdeckung der Greueltaten von Ex-Kardinal Theodore McCarrick Indizien der Infiltration in unserer eigenen Zeit.

Diese Analyse ist nachvollziehbar und baut auf bereits bekannten Publikationen auf.

Nichtsdestotrotz hat sie einige Schwächen.

Kritik

Marshall erwähnt erstens die Intervention von Kaiser Franz Joseph beim Konklave 1903 gegen eine Wahl von Kardinal Mariano Rampolla, dem Staatssekretär des eben verstorbenen Papstes Leo XIII. (62), sagt aber nichts zum Grund dieses Vorgehens, verfehlt also gleichsam die Pointe. Mark Fellows schreibt dazu in Fatima in Twilight (eigene Paraphrase): Dem Kardinal wurde vorgeworfen, Mitglied einer Geheimgesellschaft zu sein (Ordo Templi Orientis). Ein französischer Priester namens Msgr. Ernest Jouin läutete die Alarmglocke. Der Kardinal bestritt die Vorwürfe, aber es half nichts. Gewählt wurde Giuseppe Sarto, Pius X., der als Papst das Vetorecht des Kaisers abschaffte. Es ist unverständlich, daß Marshall darauf nicht eingeht. Aus der Natur der Sache geht hervor, daß man nicht mit letzter Sicherheit alles über die Verbindungen Rampollas wissen kann: Mark Fellows schreibt, daß er diese Geschichte in zwei Büchern fand, die aber ihrerseits keine Belege anführen. Andererseits bietet Fellows noch eine für das Thema interessante Information in diesem Zusammenhang: Kardinal Rampolla, der als extrem „progressiv“ galt, hatte großen Einfluß auf einen Priester namens Giacomo Radini Tedeschi, der 1905 Bischof von Bergamo wurde. Dieser wiederum war der Mentor eines anderen Kirchenmannes, der großen, und zwar verheerenden Einfluß auf die Kirche ausüben sollte, nämlich Angelo Roncalli, später Johannes XXIII. Es ist unverständlich, daß Marshall darauf nicht eingeht.

Zweitens ist zu kritisieren, daß Marshall in der Frage liturgischer Änderungen (ab der Reform der Osternacht unter Pius XII. 1951) ziemlich schlampig arbeitete (128). Einerseits geht es um Erzbischof Annibale Bugnini, den späteren „Architekten“ der fälschlich so genannten „Liturgiereform“. Dieser war nach Auskunft des US-Theologen Peter Kwasniewski (ein Vordenker des New Liturgical Movement) zur Zeit Pius‘ XII. noch bei weitem nicht so einflußreich wie unter Paul VI. Kevin Symonds, ebenfalls amerikanischer Theologe, sagt dazu, daß Marshall die Mitgliedschaft Bugninis bei den Freimaurern viel zu früh ansetzt (110), aber eine wichtige Evidenz zugunsten der späteren Mitgliedschaft Bugninis übersieht.

Andererseits geht es um die Chronologie und Logik liturgischer Reformen oder Änderungen selbst. Die Verlegung der Osternachtsfeier (nicht: „Karsamstagsliturgie“) auf den Abend des Karsamstags durch Pius XII., eine durchaus sinnvolle Re-Form im eigentlichen Wortsinn, als Ausgangspunkt für den ganzen Wahnsinn des Novus Ordo Missae ab 1970 zu sehen, zeugt nicht von Verständnis für die Sache auf Seiten Marshalls.

Drittens unterliegt Marshall einem weitverbreiteten Irrtum, wenn er Pius XII. einfachhin als „Papst von Fatima“ tituliert. Pius XII. führte weder die Weihe Rußlands ordnungsgemäß durch, noch promulgierte er die Feier der Sühnesamstage. Ab etwa der zweiten Hälfte des Jahres 1952 thematisierte er Fatima praktisch gar nicht mehr (!). Marshall anerkennt das allerdings selbst: „Es ist schwierig zu verstehen, warum Papst Pius XII. in seinen späten Jahren einen liberaleren Kurs verfolgte“ (131).

Viertens ist Marshall relativ schlampig, was Details oder historische Einschätzungen betrifft:

Die schlesisch-polnische Herkunft von Pius X. gehört ins Reich der Legende (64). Der 13. Mai 1917 war nicht der Fronleichnamstag (78). Marshall untertreibt die Greuel der kommunistischen Kirchenverfolgung in Spanien massiv (104). Die Regierung Francos nach 1939 in einem Atemzug mit Deutschland und Italien als „Faschismus“ zu bezeichnen (105), ist falsch. „1917“ kann im Zusammenhang mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion durch Pius XI. nicht stimmen. Es muß richtig „1927“ heißen (115). Das II. Vatikanische Konzil begann 1962, nicht 1963 (108) u. a.

Der Verlag machte zwar korrigierende oder ergänzende Anmerkungen zum Text (besonders zu Kardinal Frings, 282), übersah aber selbst manche – in der Meinung des Rezensenten – inhaltliche Schwächen.

Resümee

Es ist verdienstvoll, daß der Renovamen-Verlag eine deutsche Ausgabe dieses trotz genannter Schwächen wichtigen Buches besorgte. Wie gesagt: Die Infiltration der Kirche wird plausibel aufgezeigt, somit können zeitgenössische Fehlentwicklungen gewissermaßen „erklärt“ werden (soweit das Mysterium iniquitatis, 2 Thess 2,7, eben erklärbar ist).

Man wird davon ausgehen können, daß die offiziellen Kirchenstrukturen des deutschen Sprachraums das Buch ignorieren werden. Auch manche frommen und „konservativen“ Publikationen und Initiativen werden davor zurückscheuen.

Leider finden sich wieder manche Verschreibungen und Holprigkeiten, die dem Lektorat entgangen sind. Der Rezensent empfiehlt auch, aus Gründen besserer Lesbarkeit die Anmerkungen in Fußnoten auf der jeweiligen Seite statt in Endnoten am Ende des Buches unterzubringen.

Dessenungeachtet ist dem Buch große Verbreitung zu wünschen. In der gegenwärtigen Kirchenkrise sollten es besonders Priester und Bischöfe konsultieren und ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Taylor R. Marshall, Infiltriert – die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche, Vorwort von Weihbischof Athanasius Schneider, Renovamen-Verlag, Bad Schmiedeberg 2020, 306 S. (Original: Infiltration – The Plot to Destroy the Church from Within, Sophia Institute Press, Manchester NH, USA, 2019)

*Wolfram Schrems, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro-Lifer; viele Erfahrungen, die die Grundthese des Buches plausibel erscheinen lassen.

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